Im Gedenken an die Vertriebenen Gedenkstein und Gedenktafel eingeweiht

Überaus große Teilnahme der Bevölkerung.

Agendorfer in der Feierlichkeit voll integriert

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch übermittelte schriftliche Gedanken,

eigene Erlebnisse und Aussagen zur Feierlichkeit mit ernstem Hintergrund.

 

Schefflenz. (ax) Ein wahrlich ereignisreiches Wochenende, gespickt mit vielerlei Glanzpunkten, konnte am vergangenen Wochenende in Schefflenz miterlebt werden. Es begann am Donnerstagabend mit der Bürgermeisterkandidatenvorstellung in der Schefflenz-Halle und ging freitags weiter mit der „Roedderhallen“ - Einweihung in Oberschefflenz. Der Samstag war der 15-jährigen Partnerschaft zwischen Agendorf/Ungarn und Schefflenz gewidmet und der Sonntagmorgen begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Kilian in Oberschefflenz mit anschließender Enthüllung eines Gedenksteines und einer Gedenktafel mit Ehrenwache durch die FFW Schefflenz und einer Kranzniederlegung beim Marktplatz in Oberschefflenz. Sehr gut besucht war die Kirche St. Kilian zur Abhaltung des in Schefflenz sehr hoch gehaltenen ökumenischen Gottesdienstes, weshalb Pater Kasimir Fieden hoch erfreut die Kirchenbesucher beider Konfessionen herzlich willkommen hieß. Einen besonderen Willkommensgruß wurde den Gästen aus Agendorf/Ungarn zuteil. Pfarrer Dietmar Heydenreich ging in seiner Predigt auf den Begriff „Heimat“ ein, wobei er seine diesbezügliche Interpretationen darlegte. Letztlich sei auf Erden alles vergänglich, auch das so geliebte Vaterland, weshalb man zu der Erkenntnis kommen müsse: „Meine Heimat ist im Himmel, da gehöre ich hin“, so Pfr. Heydenreich. Der Gottesdienst wurde durch die Kirchenchöre beider Konfessionen feierlich umrahmt. Anschließend verlas Pater Kasimir einen von Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg, verfassten Brief, der an die Opfer von Flucht und Vertreibung und an die Menschen, die hier in Schefflenz eine neue Heimat gefunden haben, gerichtet war.Der eigens hierfür einzuweihende Gedenkstein solle einladen zum Innehalten und zum Erinnern. Er solle ein sichtbarer Baustein der Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Nachfolgend einige Auszüge des erzbischöflichen Schreibens: „Der Mensch ist das Wesen, das erinnert, sich bewusst erinnern kann und dessen Erinnerung auf Dauer nicht unterdrückt werden darf. Alle, die heute hier sind, erinnern sich selbst oder werden erinnert, an die schrecklichen Zeiten von Flucht und Vertreibung und an die Suche nach neuer Heimat.“ Die Schrecken von Flucht und Vertreibung musste Dr. Zollitsch bereits als Kind erleben, als er im Alter von sechseinhalb Jahren, am Ostersonntag 1945, aus seinem Heimatort Filipovo vertrieben und in das jugoslawische Vernichtungslager Gakavo deportiert wurde. Man war seiner Rechte beraubt und absoluter Willkür unterworfen. Vielen war dieses Schicksal gegeben. „Umso mehr freue ich mich, dass Sie heute diesen Gedenkstein gemeinsam enthüllen und einweihen. Das zeigt deutlich: das Zusammenleben glückt. Aus Fremden wurden Freunde und Weggefährten. „Alteingesessene“ und „neue“ Schefflenzer feiern gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst. So ist der heutige Tag nicht in erster Linie ein historischer Rückblick, sondern ein Brückenschlag zwischen Vergangenem und Zukünftigem, eine Erinnerung mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen, eine Erinnerung auf dem Weg in die Zukunft.“ Abschließend vermerkte Dr. Zollitsch: „Ich danke Ihnen, dass Sie mit dem Stein und der Inschrift einen weiteren, sichtbaren Baustein in die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft einsetzen und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit aus Freiburg“. Ihr Robert Zollitsch, Erzbischof. Nach dem Kirchenbesuch hatten sich sehr viele Bürgerinnen und Bürger, sowie die Agendorfer Freunde, auf dem Marktplatz versammelt, um den Gedenkstein und die Gedenktafel feierlich einzuweihen. Die Freiwillige Feuerwehr Schefflenz hatte eindrucksvoll die Ehrenwache übernommen, als BM Peter Fox das Schicksal vieler Vertriebenen erwähnte. Viele ehemalige Ungarndeutsche lebten heute in Deutschland, einige davon in Schefflenz, wo sie eine neue Heimat fanden. Geschehenes Unrecht dürfe nicht vergessen werden, wenngleich dieses der heutigen Generation nicht mehr aufgebürdet werden dürfe. Vielfach sei das Bild der Deutschen im Ausland noch geprägt von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und das Bild der Ungarn von den Vertreibungen, die in dessen Folge stattfanden. Unrecht, das auf beiden Seiten geschah, belaste oftmals schwer die internationalen Beziehungen. Unrecht könne nicht ungeschehen gemacht werden, doch müsse man offen darüber reden und umgehen. Immer wieder sei ein Beitrag dazu zu leisten, damit eine Wiederholung nicht eintreten könne. Diese Gedanken wolle man dokumentieren, indem am Marktplatz ein Denkmal aufgestellt werde, das an die Vertreibungen, nicht nur aus Ungarn, erinnern solle. Maßgeblichen Anteil an der Umsetzung des einstigen Gedankens hatten die Gemeinderäte Michael Böhm und Karl Eller, die beide ungarische Wurzeln haben. Bürgermeister  zurückblicken.“ Michael Böhm und Karl Eller enthüllten sodann den Gedenkstein der von Steinmetz Ottó Ratatics aus Fertöd, bei Kroisbach/Ungarn stammt. Der Stein selbst stammt aus Kroisbach am Neusiedlersee. Musikalisch umrahmt wurde die Feierlichkeit vom Musikverein und Gesangverein Oberschefflenz, sowie vom Agendorfer Chor „Morgenröte“, deren bewegende Liedinhalte -in deutsch gesungen- viel Tränen fließen ließen. Anschließend zog man, voran der spielende Musikverein, zur „Roedderhalle“, um mit den Agendorfern gemeinsam das Mittagessen einzunehmen. Doch zuvor sang man noch gemeinsam das „Badnerlied“ aus vollem Herzen. Am frühen Nachmittag traten die Agendorfer die Heimreise an, wobei der Abschied sehr schwer fiel. Einen schönen Ausklang konnte in der „Roedderhalle“ anschließend mit den Kindern des Kindergarten „Gerne Groß“ sowie der Sportgruppe des SCO verbracht werden. Ein ereignisreiches Wochenendkapitel konnte sodann zugeschlagen werden, von dem sich alle mehr als beeindruckt zeigten. Wie immer: Bürgermeister Fox hatte alles fest im Griff und bot organisatorisch eine Glanzleistung, sein letztes „Großes Werk !“ Istvan Gal aus Agendorf bemerkte: „Wir haben uns heute vor diesem Gedenkstein zu einem traurigen Ereignis versammelt, damit wir uns an die vor über 60 Jahren Vertriebenen erinnern. Das ist wichtig für mich, denn ich war vor 20 Jahren Teilnehmer bei den „paneuropäischen Picknicks“. Die ungarische Regierung vertrieb ab Januar 1946, in mehreren Wellen, viele tausend ungarischer Staatbürger mit deutscher Nationalität. Alleine in Agendorf hat man am 16.April 1946 insgesamt 1400 Personen in Waggons verfrachtet und vertrieben. Mit viel Freude darf man heute auf eine gelungene und überaus fruchtbare Partnerschaft zwischen Agendorf und Schefflenz

Alexander Bürklen